klickpunkt die online-Begleitung des “blickpunkt”,      Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf
1. Mai 2016
nach oben
2. Mai 2016 | Das Motto war Leitfaden im Volkshaus

Zeit für mehr Solidarität

Kommentare und Bericht zur 1. Mai-Veranstaltung: hier weiterlesen… Hier soll über einen besonderen Ausdruck der Solidarität berichtet werden. Der örtliche DGB hatte zur Mai-Veranstaltung Simona Sergi eingeladen. Simona engagiert sich für und mit den Flüchtlingen, die in unserer Stadt Zuflucht gefunden haben. Ihre Ansprache an die Besucher der Mai-Veranstaltung war kurz und eingängig: “Ich bin Simona Sergi, meine zwei Großväter sind/waren sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge aus Italien. Sommer 2015 Wir haben alle die Bilder vor unseren Augen: Menschen, die fliehen, die zu Fuß  kilometerlange Autobahnen überwinden, überfüllte Boote, und nicht zu guter Letzt Bilder von angespülten Leichen. Diese Bilder, haben viele zum ersten Mal zum Nachdenken gebracht: auf einmal (ganz plötzlich) sind diese Menschen hier... und auf einmal ist das unser Problem geworden. Was sind die Ursachen dieser großen Fluchtbewegungen? Erstens: Die wirtschaftlich Mächtigen können den Hals nicht voll kriegen. Ich sage bewußt: „kriegen“. Die Nato-Länder haben in den letzten 20 Jahren – von EU-Ländern mit Geld und Waffen unterstützt – Kriege angezettelt in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Somalia, Libyen, in der Ukraine und Syrien. Bei all diesen Kriegen geht es – wie immer – letzten Endes ums Geld, um Rohstoffe, Geostrategie, Einflusssphären, also wiederum ums Geld. Zweitens: Die Welt ist zusammengerückt und greifbar geworden. Das Wolfsgesetz des Kapitals greift weltweit: „Die Großen fressen die Kleinen“. Aldi frisst Tante Emma. Die wirtschaftlich starken Nationen konkurrieren die armen in Grund und Boden. Die Schere von Arm und Reich klafft noch weiter auseinander: Weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt die Hälfte des weltweiten Vermögens. 1,2 Milliarden Menschen kämpfen täglich ums nackte Überleben. Es ist zum Dritten die Armut und Chancenlosigkeit: Der Zufall, an einem Ort geboren worden zu sein, an dem man keine Möglichkeit hat, zu überleben. Das Streben nach Glück ist ein zentraler Punkt in der US-Verfassung. In unserem Grundgesetz und den Länderverfassungen wurde die Wahrung der Würde des Menschen zum Verfassungsgrundsatz erhoben, so wie sie in der UNO-Deklaration der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 festgehalten ist. Frage an Euch: Würdet Ihr dort bleiben, wo Eure Kinder verhungern? Und nicht zuletzt: Das Klima kippt – von den reicheren Ländern verursacht. In Afrika z. B. vertrocknen jedes Jahr viele tausend Quadratkilometer Anbaufläche. Was sollen die Menschen tun, die davon betroffen sind? Bei uns trifft diese Fluchtbewegung auf tief sitzende Ängste, Unwissen und von interessierter Seite gestreute Fehlinformationen. Was macht den Menschen bei uns Angst? Zunächst die scheinbar riesige Zahl von Flüchtenden. Die wird aber schnell fassbar, wenn man weiß, dass Deutschland nicht nur ein Einwanderungsland, sondern auch ein Auswanderungsland ist. Bis 2015 kamen etwa zwei Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Aber über 800.000 Menschen haben 2015 Deutschland verlassen, und unsere Gesamtbevölkerung schrumpft immer noch weiter. In unsere Stadt ziehen jährlich ca. 2.000 Menschen. Es gehen aber auch ungefähr so viele Menschen jährlich weg. Hat jemand Panik deswegen? Und andere Länder? Allein der kleine Libanon hat 1,2 Millionen registrierte Flüchtlinge aufgenommen. Dazu kommen noch geschätzte 500.000, die nicht registriert sind. Das heißt, im Libanon ist derzeit jeder dritte Mensch ein Flüchtling. Was würde Pegida anstellen, wenn das bei uns so wäre? Sie regen sich schon auf, wenn bei uns jeder 80. ein Flüchtling ist. Und der Libanon ist noch nicht einmal der Rekordhalter": In Jordanien ist derzeit jeder zweite Mensch ein Flüchtling. Welche Ängste gibt es noch?  Die Überfremdung durch Islamisierung? Wenn man sich vor Augen hält, dass in einem Land mit 81 Millionen Einwohnern vier Millionen Muslime sind – das sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung. Würden die eine Partei gründen und geschlossen für sie stimmen, fiele sie unter die 5%-Hürde und bekäme keinen einzigen Sitz im Bundestag. Was steckt hinter diesen Ängsten?  „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“ So hätten sie uns gerne! Wenn die Arbeiterbewegung so gedacht hätte, würden heute noch achtjährige Kinder 16 Stunden am Tag im Bergwerk schuften. Diese Einstellung ist auf purem Egoismus gegründet und führt dazu, in dem Kollegen einen Konkurrenten oder schlimmer einen Feind zu sehen. Wir sollten mit allen, die nicht die Arbeitskraft anderer ausbeuten, solidarisch sein. Menschen, die hier bei uns nach Schutz suchen, mit Solidarität zu begegnen, ist ein elementarer ethischer Grundsatz. Voraussetzung dafür: den Gegenüber als Menschen wahrzunehmen, als Menschen mit Augen, Ohren, Herz und Verstand, nicht anders als jede oder jeder von uns. Und ihr und ihm mit Respekt und Würde zu begegnen. Als einem Menschen mit Rechten: zum Beispiel dem Recht, gut zu leben! Diesen Grundwert des humanistischen Denkens sollten wir alle gemeinsam durchsetzen – grenzenlos, weltweit!” Nach Simona Sergi traten drei Flüchtlinge auf und sprachen in wenigen Sätzen über ihre Fluchtgründe. Das war eindringlich, ging unter die Haut.
1
3
2
klickpunkt die online-Begleitung des “blickpunkt”,  Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf
1. Mai 2016
nach oben
2. Mai 2016 | Das Motto war Leitfaden im Volkshaus

Zeit für mehr Solidarität

Kommentare und Bericht zur 1. Mai- Veranstaltung: hier weiterlesen… Hier soll über einen besonderen Ausdruck der Solidarität berichtet werden. Der örtliche DGB hatte zur Mai-Veranstaltung Simona Sergi eingeladen. Simona engagiert sich für und mit den Flüchtlingen, die in unserer Stadt Zuflucht gefunden haben. Ihre Ansprache an die Besucher der Mai-Veranstaltung war kurz und eingängig: “Ich bin Simona Sergi, meine zwei Großväter sind/waren sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge aus Italien. Sommer 2015 Wir haben alle die Bilder vor unseren Augen: Menschen, die fliehen, die zu Fuß  kilometerlange Autobahnen überwinden, überfüllte Boote, und nicht zu guter Letzt Bilder von angespülten Leichen. Diese Bilder, haben viele zum ersten Mal zum Nachdenken gebracht: auf einmal (ganz plötzlich) sind diese Menschen hier... und auf einmal ist das unser Problem geworden. Was sind die Ursachen dieser großen Fluchtbewegungen? Erstens: Die wirtschaftlich Mächtigen können den Hals nicht voll kriegen. Ich sage bewußt: „kriegen“. Die Nato-Länder haben in den letzten 20 Jahren – von EU- Ländern mit Geld und Waffen unterstützt – Kriege angezettelt in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Somalia, Libyen, in der Ukraine und Syrien. Bei all diesen Kriegen geht es – wie immer – letzten Endes ums Geld, um Rohstoffe, Geostrategie, Einflusssphären, also wiederum ums Geld. Zweitens: Die Welt ist zusammengerückt und greifbar geworden. Das Wolfsgesetz des Kapitals greift weltweit: „Die Großen fressen die Kleinen“. Aldi frisst Tante Emma. Die wirtschaftlich starken Nationen konkurrieren die armen in Grund und Boden. Die Schere von Arm und Reich klafft noch weiter auseinander: Weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt die Hälfte des weltweiten Vermögens. 1,2 Milliarden Menschen kämpfen täglich ums nackte Überleben. Es ist zum Dritten die Armut und Chancenlosigkeit: Der Zufall, an einem Ort geboren worden zu sein, an dem man keine Möglichkeit hat, zu überleben. Das Streben nach Glück ist ein zentraler Punkt in der US-Verfassung. In unserem Grundgesetz und den Länderverfassungen wurde die Wahrung der Würde des Menschen zum Verfassungsgrundsatz erhoben, so wie sie in der UNO-Deklaration der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 festgehalten ist. Frage an Euch: Würdet Ihr dort bleiben, wo Eure Kinder verhungern? Und nicht zuletzt: Das Klima kippt – von den reicheren Ländern verursacht. In Afrika z. B. vertrocknen jedes Jahr viele tausend Quadratkilometer Anbaufläche. Was sollen die Menschen tun, die davon betroffen sind? Bei uns trifft diese Fluchtbewegung auf tief sitzende Ängste, Unwissen und von interessierter Seite gestreute Fehlinformationen. Was macht den Menschen bei uns Angst? Zunächst die scheinbar riesige Zahl von Flüchtenden. Die wird aber schnell fassbar, wenn man weiß, dass Deutschland nicht nur ein Einwanderungsland, sondern auch ein Auswanderungsland ist. Bis 2015 kamen etwa zwei Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Aber über 800.000 Menschen haben 2015 Deutschland verlassen, und unsere Gesamtbevölkerung schrumpft immer noch weiter. In unsere Stadt ziehen jährlich ca. 2.000 Menschen. Es gehen aber auch ungefähr so viele Menschen jährlich weg. Hat jemand Panik deswegen? Und andere Länder? Allein der kleine Libanon hat 1,2 Millionen registrierte Flüchtlinge aufgenommen. Dazu kommen noch geschätzte 500.000, die nicht registriert sind. Das heißt, im Libanon ist derzeit jeder dritte Mensch ein Flüchtling. Was würde Pegida anstellen, wenn das bei uns so wäre? Sie regen sich schon auf, wenn bei uns jeder 80. ein Flüchtling ist. Und der Libanon ist noch nicht einmal der Rekordhalter": In Jordanien ist derzeit jeder zweite Mensch ein Flüchtling. Welche Ängste gibt es noch?  Die Überfremdung durch Islamisierung? Wenn man sich vor Augen hält, dass in einem Land mit 81 Millionen Einwohnern vier Millionen Muslime sind – das sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung. Würden die eine Partei gründen und geschlossen für sie stimmen, fiele sie unter die 5%- Hürde und bekäme keinen einzigen Sitz im Bundestag. Was steckt hinter diesen Ängsten?  „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“ So hätten sie uns gerne! Wenn die Arbeiterbewegung so gedacht hätte, würden heute noch achtjährige Kinder 16 Stunden am Tag im Bergwerk schuften. Diese Einstellung ist auf purem Egoismus gegründet und führt dazu, in dem Kollegen einen Konkurrenten oder schlimmer einen Feind zu sehen. Wir sollten mit allen, die nicht die Arbeitskraft anderer ausbeuten, solidarisch sein. Menschen, die hier bei uns nach Schutz suchen, mit Solidarität zu begegnen, ist ein elementarer ethischer Grundsatz. Voraussetzung dafür: den Gegenüber als Menschen wahrzunehmen, als Menschen mit Augen, Ohren, Herz und Verstand, nicht anders als jede oder jeder von uns. Und ihr und ihm mit Respekt und Würde zu begegnen. Als einem Menschen mit Rechten: zum Beispiel dem Recht, gut zu leben! Diesen Grundwert des humanistischen Denkens sollten wir alle gemeinsam durchsetzen – grenzenlos, weltweit!” Nach Simona Sergi traten drei Flüchtlinge auf und sprachen in wenigen Sätzen über ihre Fluchtgründe. Das war eindringlich, ging unter die Haut.
1
3
2