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8. Juli 2016 | Kopftücher… … und anderer Schnickschnack Ich muß mich mal in der Kopftuchdebatte zu Wort melden. Als Urenkel einer Walldorfer Frau, die fast nie ohne Kopftuch unterwegs war, habe ich die Faxen dicke, dieses in vielen Ländern zu findende schöne Kleidungsstück zum Spielball einfallsloser und blödsinniger Gesetze zu machen. Fakt ist, dass man sich in Deutschland anziehen kann, wie man will. Die Zeiten, in denen der Staat vorschrieb, wie man sich zu kleiden hatte, sollten seit 70 Jahren endgültig vorbei sein. Hier geht es doch nicht um Kleidung und andere Äußerlichkeiten. Es geht um Religion. In einem weltlichen Staat, wie es Deutschland einer ist (oder laut Grundgesetz sein sollte), sind religiöse Symbole im öffentlichen Dienst und in öffentlichen Gebäuden tabu. Diese Gebäude gehören allen Menschen und sind auch von allen bezahlt worden. Das ist die Zwickmühle: Für viele Muslime ist das Kopftuch nicht einfach eine Kopfbedeckung, sondern ein religiöses Symbol ihres Glaubens. Deshalb möchte man es in Schulen und Ämtern nicht haben. Aber wer A sagt, muß auch B sagen: Wenn man religiöse Symbole verbieten will, muß man auch die fetten Kreuze an der Klassenzimmerwand (siehe Bayern) und um die Hälse der ökumenischen Junglehrerinnen verbieten. Denn keine Religion ist mehr wert als eine andere. Aber das geht natürlich nicht! Da würde man sich mit den Kirchen anlegen, und die sind auch 250 Jahre nach der letzten Hexenverbrennung nicht ganz ungefährlich, wenn es um die Wahrung ihrer Interessen geht. Also machte man halbe Sachen: Man erlaubte Kreuze und anderen christlichen Schnickschnack und verbot Kopftücher. Das ist aber nicht rechtens – das hat das Verfassungsgericht nun ein für alle Mal festgestellt. Man muß also endlich damit aufhören, sich mit Äußerlichkeiten aufzuhalten. Man muß sich der inhaltlichen Kern-Frage zuzuwenden. Und die lautet: „Können wir es uns erlauben, im 21. Jahrhundert, nach 300 Jahren Aufklärung, wieder zuzulassen, dass Religionen, gleich welcher Art, das öffentliche Leben und die öffentliche Debatte bestimmen?" Wo das letztlich hinführt, sehen wir an den Religionskriegen, die sich durch die europäische Geschichte ziehen, und die jetzt im Nahen Osten wieder an der Tagesordnung sind. Die Antwort kann deshalb nur lauten: Nein! Religionen – ob christliche oder muslimische oder andere – sind Privatsache und haben im Schuldienst und in Ämtern nichts zu suchen. Wenn jemand seine religiösen Überzeugungen höher stellt als die Werte unseres Grundgesetzes, dann ist er/sie im öffentlichen Dienst - Kopftuch hin, Kreuz her - fehl am Platz. "So rum geht die Kaffeemihl!", pflegte meine eingangs erwähnte Urgroßmutter zu sagen, um einen Schlusspunkt zu setzen.
A. ätzt
klickpunkt die online-Begleitung des “blickpunkt”,      Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf
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8. Juli 2016 | Kopftücher… … und anderer Schnickschnack Ich muß mich mal in der Kopftuchdebatte zu Wort melden. Als Urenkel einer Walldorfer Frau, die fast nie ohne Kopftuch unterwegs war, habe ich die Faxen dicke, dieses in vielen Ländern zu findende schöne Kleidungsstück zum Spielball einfallsloser und blödsinniger Gesetze zu machen. Fakt ist, dass man sich in Deutschland anziehen kann, wie man will. Die Zeiten, in denen der Staat vorschrieb, wie man sich zu kleiden hatte, sollten seit 70 Jahren endgültig vorbei sein. Hier geht es doch nicht um Kleidung und andere Äußerlichkeiten. Es geht um Religion. In einem weltlichen Staat, wie es Deutschland einer ist (oder laut Grundgesetz sein sollte), sind religiöse Symbole im öffentlichen Dienst und in öffentlichen Gebäuden tabu. Diese Gebäude gehören allen Menschen und sind auch von allen bezahlt worden. Das ist die Zwickmühle: Für viele Muslime ist das Kopftuch nicht einfach eine Kopfbedeckung, sondern ein religiöses Symbol ihres Glaubens. Deshalb möchte man es in Schulen und Ämtern nicht haben. Aber wer A sagt, muß auch B sagen: Wenn man religiöse Symbole verbieten will, muß man auch die fetten Kreuze an der Klassenzimmerwand (siehe Bayern) und um die Hälse der ökumenischen Junglehrerinnen verbieten. Denn keine Religion ist mehr wert als eine andere. Aber das geht natürlich nicht! Da würde man sich mit den Kirchen anlegen, und die sind auch 250 Jahre nach der letzten Hexenverbrennung nicht ganz ungefährlich, wenn es um die Wahrung ihrer Interessen geht. Also machte man halbe Sachen: Man erlaubte Kreuze und anderen christlichen Schnickschnack und verbot Kopftücher. Das ist aber nicht rechtens – das hat das Verfassungsgericht nun ein für alle Mal festgestellt. Man muß also endlich damit aufhören, sich mit Äußerlichkeiten aufzuhalten. Man muß sich der inhaltlichen Kern-Frage zuzuwenden. Und die lautet: „Können wir es uns erlauben, im 21. Jahrhundert, nach 300 Jahren Aufklärung, wieder zuzulassen, dass Religionen, gleich welcher Art, das öffentliche Leben und die öffentliche Debatte bestimmen?" Wo das letztlich hinführt, sehen wir an den Religionskriegen, die sich durch die europäische Geschichte ziehen, und die jetzt im Nahen Osten wieder an der Tagesordnung sind. Die Antwort kann deshalb nur lauten: Nein! Religionen – ob christliche oder muslimische oder andere – sind Privatsache und haben im Schuldienst und in Ämtern nichts zu suchen. Wenn jemand seine religiösen Überzeugungen höher stellt als die Werte unseres Grundgesetzes, dann ist er/sie im öffentlichen Dienst - Kopftuch hin, Kreuz her - fehl am Platz. "So rum geht die Kaffeemihl!", pflegte meine eingangs erwähnte Urgroßmutter zu sagen, um einen Schlusspunkt zu setzen.
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