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Post: hocheffektiv
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Alfred J. Arndt 30. Mai 2016 | Die Effizienz des Privatunternehmers am Beispiel der Post Geduld musst Du schon mitbringen Im Briefkasten der übliche gelbe Zettel: "Wir haben Sie nicht angetroffen, bitte holen Sie Ihr Paket in der Post-Filiale Tizianplatz ab". Also ab zur Postfiliale. Schon beim Leeren des Postfachs ein Warnhinweis: Ein Zettel an der Tür verkündet, dass die Postfachstelle demnächst nur noch von 08:00 bis 09:00 besetzt sei. Im Schalterraum dann das übliche: Eine Menge Leute, von drei Schaltern sind nur zwei besetzt. Dafür aber viel Werbung für allerlei "Produkte" der Postbank und sonstigen Schnickschnack. Personal für all die angebotenen Dienste scheint man aber nicht einstellen zu wollen. Die Schlange reicht schon bis vor die Tür, die zum Glück wegen des schönen Wetters offen bleiben kann – sonst würde der Platz für die Wartenden nicht ausreichen. Dann passiert es: Es entspinnt sich ein Disput zwischen einem unzufriedenen Kunden und einer Postmitarbeiterin. Es geht um Tarife, die mal so, mal so ausgelegt werden, je nachdem. Die Kollegin ist sichtlich überfordert, so etwas wie Mitarbeiterschulung scheint es bei der Post auch nicht zu geben. Ergebnis: Die Nerven spielen nicht mehr mit, sie läuft weinend nach hinten und klappt zusammen. Die zweite Kollegin verschwindet ebenfalls nach hinten und kommt nach fünf Minuten mit verzweifeltem Blick zurück: Latein am Ende. Jetzt ist sie alleine mit einer Kundenschlange, die schon bis auf den Tizianplatz reicht. Zum Glück hat eine Kundin Ahnung von Erster Hilfe, sie bittet darum, die angeschlagene Postmitarbeiterin versorgen zu dürfen und wird in das Allerheiligste eingelassen. Die übrig gebliebene Kollegin bittet um Verständnis, sie tut, was sie kann, aber die Schlange wird trotzdem länger anstatt kürzer. Postkundenschlangen sind unterhaltsam und informativ, man erfährt so einiges. Das sei eigentlich immer so, vor allem samstags. Die für die Filiale Verantwortlichen kümmerten sich vorrangig um das Postbankgeschäft, das sei aber oft zeitraubend, zumal man am Personal ganz offensichtlich spare. Für das ganz normale Postgeschäft bleibt keine Zeit mehr. In Walldorf zum Beispiel sei das alles besser organisiert, es gäbe viel weniger Wartezeiten. Warum die Post das in Mörfelden nicht auf die Reihe kriegt, sei nicht verständlich. Vieles sei aber nun mal nur in Mörfelden zu erledigen. Sehr angenehm ist dies: Niemand schimpft auf die Bediensteten. Die tun doch was sie können, hört man. Die Schuld an den Problemen liege weiter oben. Die "da oben" werden mit auch harschen Ausdrücken bedacht – nicht die Kolleginnen am Schalter. Der Zorn richtet sich auf die Richtigen – das ist gut so. Ob denen wenigstens die Ohren klingeln? Nun sind 45 Minuten um, die angeschlagene Kollegin ist wieder da, wird freundlich und nett willkommen geheißen: "Warum bleiwese dann net dehaam?", "Mache Se sich doch net verrickt". Aber sie will versuchen, weiterzumachen. Kommen wir also zu dem gelben Zettel, den ich seit nunmehr fast einer Stunde in der Hand halte. Kurze Nachsuche - das Paket ist nicht da. Verzweiflung flackert wieder in den Augen der Postlerin: Offenbar sei das Paket versehentlich wieder mitgenommen worden und sei auf dem Weg zurück zum Paketzentrum. Sie wisse auch nicht – es kämen so viele Fahrer, viele kenne man überhaupt nicht, und ob die alles richtig machen, könne man gar nicht überblicken. Aber bestimmt sei das Paket am Montag oder Dienstag wieder da, derlei Fehler würden im Paketzentrum bemerkt und korrigiert. Nun gut. Eine Stunde Zeit ist verschwendet, das Paket nicht da, ob und wann es kommt wissen die Götter. Das ist der Segen der Privatisierung. Denn merke: "Sobald der Staat sich als Unternehmer versucht, wird es umständlich und viel zu teuer". Mit diesem Argument wurde das Staatseigentum 'Deutsche Bundespost' verscheuert, zehntausende Beschäftigte entlassen und tausende Filialen geschlossen. Und jetzt? Heißt das Unternehmen Deutsche Post AG und alles ist besser, wie dieser Bericht zeigt.
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Alfred J. Arndt 30. Mai 2016 | Die Effizienz des Privatunternehmers am Beispiel der Post Geduld musst Du schon mitbringen Im Briefkasten der übliche gelbe Zettel: "Wir haben Sie nicht angetroffen, bitte holen Sie Ihr Paket in der Post-Filiale Tizianplatz ab". Also ab zur Postfiliale. Schon beim Leeren des Postfachs ein Warnhinweis: Ein Zettel an der Tür verkündet, dass die Postfachstelle demnächst nur noch von 08:00 bis 09:00 besetzt sei. Im Schalterraum dann das übliche: Eine Menge Leute, von drei Schaltern sind nur zwei besetzt. Dafür aber viel Werbung für allerlei "Produkte" der Postbank und sonstigen Schnickschnack. Personal für all die angebotenen Dienste scheint man aber nicht einstellen zu wollen. Die Schlange reicht schon bis vor die Tür, die zum Glück wegen des schönen Wetters offen bleiben kann – sonst würde der Platz für die Wartenden nicht ausreichen. Dann passiert es: Es entspinnt sich ein Disput zwischen einem unzufriedenen Kunden und einer Postmitarbeiterin. Es geht um Tarife, die mal so, mal so ausgelegt werden, je nachdem. Die Kollegin ist sichtlich überfordert, so etwas wie Mitarbeiterschulung scheint es bei der Post auch nicht zu geben. Ergebnis: Die Nerven spielen nicht mehr mit, sie läuft weinend nach hinten und klappt zusammen. Die zweite Kollegin verschwindet ebenfalls nach hinten und kommt nach fünf Minuten mit verzweifeltem Blick zurück: Latein am Ende. Jetzt ist sie alleine mit einer Kundenschlange, die schon bis auf den Tizianplatz reicht. Zum Glück hat eine Kundin Ahnung von Erster Hilfe, sie bittet darum, die angeschlagene Postmitarbeiterin versorgen zu dürfen und wird in das Allerheiligste eingelassen. Die übrig gebliebene Kollegin bittet um Verständnis, sie tut, was sie kann, aber die Schlange wird trotzdem länger anstatt kürzer. Postkundenschlangen sind unterhaltsam und informativ, man erfährt so einiges. Das sei eigentlich immer so, vor allem samstags. Die für die Filiale Verantwortlichen kümmerten sich vorrangig um das Postbankgeschäft, das sei aber oft zeitraubend, zumal man am Personal ganz offensichtlich spare. Für das ganz normale Postgeschäft bleibt keine Zeit mehr. In Walldorf zum Beispiel sei das alles besser organisiert, es gäbe viel weniger Wartezeiten. Warum die Post das in Mörfelden nicht auf die Reihe kriegt, sei nicht verständlich. Vieles sei aber nun mal nur in Mörfelden zu erledigen. Sehr angenehm ist dies: Niemand schimpft auf die Bediensteten. Die tun doch was sie können, hört man. Die Schuld an den Problemen liege weiter oben. Die "da oben" werden mit auch harschen Ausdrücken bedacht – nicht die Kolleginnen am Schalter. Der Zorn richtet sich auf die Richtigen – das ist gut so. Ob denen wenigstens die Ohren klingeln? Nun sind 45 Minuten um, die angeschlagene Kollegin ist wieder da, wird freundlich und nett willkommen geheißen: "Warum bleiwese dann net dehaam?", "Mache Se sich doch net verrickt". Aber sie will versuchen, weiterzumachen. Kommen wir also zu dem gelben Zettel, den ich seit nunmehr fast einer Stunde in der Hand halte. Kurze Nachsuche - das Paket ist nicht da. Verzweiflung flackert wieder in den Augen der Postlerin: Offenbar sei das Paket versehentlich wieder mitgenommen worden und sei auf dem Weg zurück zum Paketzentrum. Sie wisse auch nicht – es kämen so viele Fahrer, viele kenne man überhaupt nicht, und ob die alles richtig machen, könne man gar nicht überblicken. Aber bestimmt sei das Paket am Montag oder Dienstag wieder da, derlei Fehler würden im Paketzentrum bemerkt und korrigiert. Nun gut. Eine Stunde Zeit ist verschwendet, das Paket nicht da, ob und wann es kommt wissen die Götter. Das ist der Segen der Privatisierung. Denn merke: "Sobald der Staat sich als Unternehmer versucht, wird es umständlich und viel zu teuer". Mit diesem Argument wurde das Staatseigentum 'Deutsche Bundespost' verscheuert, zehntausende Beschäftigte entlassen und tausende Filialen geschlossen. Und jetzt? Heißt das Unternehmen Deutsche Post AG und alles ist besser, wie dieser Bericht zeigt.